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Buchempfehlung: Anna Stothard – Die Kunst, Schluss zu machen

07/03/2018

Ein Buch zwischen fantasievollen Träumereien und verregneten Sommertagen in London

Wenn ich durch alte Büchereien schlendere, betrachte ich Bücher oft nur oberflächlich und flüchtig. Natürlich vermisse ich selbst auch die kleinen Pausen, in denen ich stundenlang zwischen vollgestapelten Regalen verweilen konnte und dabei Zeit und Raum vergaß, sobald ich das scheinbar perfekte Buch in der Hand hielt. Beim Buch „Die Kunst, Schluss zu machen“ ist es aber anders. Der Titel bringt mich jetzt noch zum Schmunzeln. Noch neugieriger macht mich der Tatbestand, dass es ein Liebesroman ist, von denen ich gefühlt aber schon viel zu viel gelesen habe für mein Alter. Doch das Buch lässt mich einfach nicht los. Steckt hier eine moderne Geschichte der Bindungsunfähigkeit drinnen? Gespannt gehe ich zur Kasse und entscheide mich für das Buch.

„Die Kunst, Schluss zu machen“ ist 2013 erschienen. Im Mittelpunkt des Geschehens steht Eva Elliot, eine Londoner Lektorin im jungen Alter. Eva zu charakterisieren ist nicht einfach, denn oft wechseln ihre Gedanken zwischen Realität, und einer unbändigen Fantasie, die mich als Leserin berührt hat wie keine andere. Anna Stothards Schreibweise lässt Eva ihre eigene Welt kreieren. Denn die Protagonistin Eva kann eines richtig gut: Nämlich Schluss machen. Eva verbindet mit dem Verlassen eines Menschen etwas ganz Besonderes und sieht schließlich eines ihrer Talente darin. Anfangs dachte ich nur: „Was für eine ungewöhnliche junge Frau. Wer denkt denn schon an das Ende einer Beziehung bevor sie ihren tatsächlichen Lauf nimmt?“

Eva teilt sich ihre Wohnung mit ihrem Freund Luke. Luke der als Karrierist gesehen werden kann, ist Anwalt und so mal ganz und gar nicht wie Eva. Er ist offen und extrovertiert und eben auch sehr pragmatisch. Und auch das scheint Eva nach drei Jahren auf die Nerven zu gehen. Daher beginnt sie wieder zu planen wie sie denn Luke langsam aus ihrem Leben streichen kann und hofft auf ein baldiges Ende. Aber plötzlich wendet sich das Spiel. Eine unbekannte damalige Freundin von Luke, die wundersame Grace taucht auf und bringt Evas Gefühle und ihre chaotische, aber dennoch geordnete eigene Welt ins Ungleichgewicht.

Verloren in ihrer Gedankenwelt, malt sich Eva immer wieder Szenarien aus, die sie durch die ganze Zeit ihrer Achterbahnfahrt begleiten. Was für Rollen dabei, der Scorpio Club gegenüber Evas Büro oder Regina, das entflohene Steinadlerweibchen im Wirrwarr von Evas Welt spielen, möchte ich euch hier nicht verraten.

Eva sah immer aus, als stünde sie mit dem einen Fuß im Gestern und mit dem anderen im Morgen, unordentlich zwischen Augenblicken gefangen. Sie hatte schulterlanges, kastanienbraunes Haar, beinahe durchscheinende Haut, auf der Sommersprossen verstreut waren, zarte Gesichtszüge, ein Lächeln, das eine Zahnlücke enthüllte, und grüne Augen, die immer irgendwie benommen dreinblickten. Menschen fragten sie oft, ob sie sich verlaufen habe oder ob es ihr gutgehe. (S. 18)

Wer hier einen 0815-Liebesroman sucht, ist definitiv an das falsche Buch geraten. Anna Stothard gelingt es mit ihrer außergewöhnlichen Schreibweise eine unverwechselbare Perspektive aus der Gedankenwelt Evas zu kreieren. Bücher schreiben können viele, aber erzählerisches Talent hat nicht unbedingt jeder. Anfangs noch nicht wirklich überzeugt von Eva, bin ich am Ende des Buches ein richtiger Fan von ihr. Irgendwann ertappte ich mich selbst, wie ich in meinem Kopf gedankenverloren durch die verregnete Straßen Londons spaziere in der Hoffnung Eva Eliott sagen zu können, dass sie hier nicht alleine rumirrt.

 

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